AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Forum Museumsinsel - Urbanität läßt sich nicht planen

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Die bisher geschlossene Häuserfront an der Oranienburger Straße wird mit direktem Zugang in den neu zu gestaltenden Platz, das sogenannte Forum, geöffnet.

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Im “Forum” wird der Münchner Feinkosthändler Käfer eine Markthalle betreiben für mediterranen Spezialitäten, aber auch “Strassenmusiker sind willkommen, aber die müssten sich bewerben”, so der Geschäftsführer der Freiberger Projektentwicklung GmbH, Klaus Kirchberger.

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Da schwärmt der Freiberger Spezl Christoph Stölzl, Kuratoriumsmitglied der Freiberger-Stiftung:
“Es passiert vielleicht alle 100 Jahre einmal, dass mitten im Zentrum einer Stadt ein so großes Projekt beginnen kann. Vergleichbar hätten nur das Rockefeller Center in New York oder das Centre Pompidou in Paris zu der kompletten Neuausrichtung eines Viertels beigetragen. Mit seinen Geschäften, Restaurants und Cafés werde das neue Quartier eine Schnittstelle von Kultur und Szene bilden.”
http://www.morgenpost.de/berlin/article105095258/Hier-entsteht-Berlins-groesstes-privates-Bauprojekt.html

“Doch Urbanität planen zu wollen wäre ein Widerspruch in sich. Man kann allenfalls Räume offen lassen, damit sich darin urbane Qualitäten entfalten können. (…) Das sind Räume mit geringer Regelungsdichte.” (Walter Siebel)

Aber um so einen Raum handelt es sich bei diesen “Forum” bestimmt nicht, ich befürchte das Gegenteil wird der Fall sein: ein privatisierter, stark reglementierter Stadtraum, eine weitere Angleichung von Innenstadt und Shopping-Mall.

siehe auch:

Walter Siebel, Die Kultur der Stadt, Frankfurt am Main 2015


http://auguststrasse-berlin-mitte.de/forum-museumsinsel-und-der-zeitgeist-der-1990er-jahre

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/forum-museumsinsel-pizzabaecker-freiberger-vermietet-an-pizzalieferdienst
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-verkaufte-mitte
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-privatisierte-stadt-forum-museumsinsel
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-privatisierte-stadt

2016-06-24

EM 2016 - schwarzer Stoff, roter Kragen, goldene Messingknöpfe

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hier hatte jemand sein nationales Coming-out, gesehen 2006 in der Großen Hamburger Straße

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Party-Patriotismus? gesehen 2008 am Mehringdamm

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Neonazidemonstration 2016 Hauptbahnhof, Berlin

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„Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813“, gemalt vom Schweizer Maler Ferdinand Hodler für die Universität Jena im Jahre 1908

Die Farben ihrer Uniform - schwarzer Stoff, roter Kragen, goldene Messingknöpfe - gaben die Farben für die deutschen Burschenschaften und die deutsche Nationalflagge vor.

“Nach dem für Napoleon katastrophalen Ausgang des Russlandfeldzuges wurde das erzwungene Bündnis Preußens mit Frankreich im Winter 1812/1813 aufgehoben. Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen, die schon seit 1810 in Berlin das Turnen und Schwimmen gefördert und den geheimen Deutschen Bund gegründet hatten, drängten den preußischen Minister Hardenberg zur Sammlung einer Freischar, in der Freiwillige aus allen deutschen Staaten gegen Napoleon kämpfen sollten. Offenbar vereinbarte man damals die Gründung einer solchen Truppe. Denn noch bevor der König vertraulich von Gerhard von Scharnhorst und offiziell von Major von Lützow um die Errichtung eines von diesem zu führenden Freikorps gebeten wurde, trafen Jahn und Friesen am 29. Januar 1813 am Sammelplatz Breslau ein. Dort warben sie in der Umgebung um Freiwillige und bereiteten alles zur Aufnahme des zu erwartenden Ansturms vor. Lützows Truppe wurde im Februar 1813 mit offizieller Billigung unter dem Namen Königlich Preußisches Freikorps als reguläre Truppe des preußischen Heeres gegründet. Grundlage für die Aufstellung dieses und weiterer Freikorps war die Allerhöchste Kabinetts-Ordre (AKO) vom 3. Februar 1813 über die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements, von der auch der Beiname „Lützower“ oder „Schwarze Jäger“ herrührt, obwohl nur ein kleiner Teil der Truppe tatsächlich aus Jägern bestand.”

https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzowsches_Freikorps

2016-06-12

Archäologische Ausgrabungen auf dem Areal am Tacheles

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Auf dem Areal am Tacheles wird seit Anfang Mai gebaggert. Dabei geht es noch nicht um die Entfernung der Gebäudereste der 1909 eröffneten Friedrichstraßenpassage, sondern um vermutete Siedlungsreste aus dem 17. und 18. Jahrhundert und um die Synagoge der Jüdischen Reformgemeinde, die bis zu ihrer Zerstörung Ende des 2.Weltkriegs auf dem Gelände des Parkplatzes stand.

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“Erst wenn die Archäologen alles freigelegt, vermessen und fotografiert haben, dürfen die Bagger weitermachen.
“Dazu sind die Investoren auch verpflichtet. In der für die Baugrube erteilten Baugenehmigung sei ein Passus enthalten, „der archäologische Rettungsmaßnahmen sicherstellt“, so Berlins Leiterin für Gartendenkmalpflege und Archäologie Karin Wagner.” (Dirk Jericho)

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Synagoge der Juedischen Reformgemeinde
Ausgrabung der Synagoge der Jüdischen Reformgemeinde

siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/areal-am-tacheles

2016-05-25

Kulisse Auguststrasse - Magical Mystery

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Wieder einmal waren die Fassaden der wenigen UNSANIERTEN ALTBAUTEN in der Auguststraße Kulisse für einen Kinofilmdreh.

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Gedreht wurden gestern Szenen für die Kino-Adaption von Regeners Roman “Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt”.

Dazu wurde an der Auguststraße 17 1990er Jahre Technoplakate geklebt, Pflastersteine aus dem Gehweg entfernt und mit viel Wasser der Gehweg verschlammt - so stellt sich der Regisseur und der Szenenbildner die Straßen in den 1990er vor.

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Soweit ich mich an die frühen 1990er erinnern kann, waren die Gehwege in der Spandauer Vorstadt alle in Ordnung.

siehe auch:
Einfallslose Locationscouts - immer wieder Auguststrasse

2016-05-18

Wohnungen in dem Wohnprojekt Linienstr. 206 geräumt

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gesehen 2013

“Heute morgen um 7:40 Uhr begann die Räumung von 2 Wohnungen in dem Wohnprojekt Linienstr. 206.
Gerichtsvollzieher, Eigentümer, Security und Polizei verschafften sich gewaltsam zutritt zu 2 Räumen, warfen in den entsprechenden Rämlichkeiten befindliche Personen aus dem Haus und verbrachten alle Sachen in einen mitgebrachten LKW.”
http://linie206.blogsport.de/

“Seit der Besetzung 1990 gibt es in der Linienstrasse 206 ein lebendiges, politisches Wohnprojekt. In den vergangenen 22 Jahren gab es immer mal neue Eigentümer_innen, die versuchten ihre Vorstellung davon mit dem Haus Profit zu machen umzusetzen. So auch die neuen Eigentümer Frank Wadler und Bernd-Ullrich Lippert: Nach erzwungenen Hausbesichtigungen und diversen von ihrer Seite abgelehnten Gesprächsangeboten kamen jetzt die ersten Abmahnungen, Kündigung und zu einem seit Herbst 2012 anhaltenden Rechtsstreit.(…)
Ein kurzer Abriss der Spekulationsgeschichte der Linienstrasse 206:
Seit der Rückübertragung des Hauses an die Erbengemeinschaft ist es mehrfach verkauft und erworben worden. Die ersten Eigentümer war die HOP Grundbesitz GmbH aus Bremen, ihr Eigentümer Herr Penske, die das Haus für ca. 600.000 DM kaufte. Er hatte die Idee, einen Hotelkomplex in Mitte zu bauen und kaufte das Haus ungesehen. Dies zieht sich auch durch die weitere Verkaufsgeschichte. 2008 wurde das Haus für 430.000 € an die Mirhaj und Steinich GbR verkauft, die versuchte mit fadenscheidigen Gründen die Hausgemeinschaft raus zu werfen, scheiterte allerdings am Protest der Nutzer_innen und ihrer Freund_innen. 2010 kauften die jetzigen Eigentümer, die Lippert und Wadler GbR, das Haus für 600.000 €. Der Preis für die Linie206 hat sich also in den letzten 12 Jahren faktisch verdoppelt, ohne dass sich am Haus praktisch irgendetwas geändert hat!

KeineR der Eigentümer_innen hat etwas in das Haus investiert. KeineR hat sich um den Erhalt dieses schönen Einzelbaudenkmals in Berlin-Mitte gekümmert, ausser uns, den Nutzer_innen!”
http://linie206.blogsport.de/ueber-uns-about-us/

siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/wohnen-in-der-stadtmitte

2016-05-10

Demonstrationen und Sperrgebiet in Berlin Mitte

Am Samstag dominierten am Hackeschen Markt mal nicht Touristen und Einkaufswütige - es trafen sich tausende Menschen um gegen eine Demonstration von rechten Gruppen in Berlin-Mitte zu demonstrieren.

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Diese trafen sich am Washington-Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof unter dem Motto „Merkel muss weg“, da nach Ansicht dieser Gruppen Merkel eine von den USA und den Rothschilds gesteuerte „Volksverräterin“ sei, die die Grenzen öffnete, um den Bevölkerungsaustausch voranzutreiben.

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Der Aufmarsch von knapp 2000 Teilnehmern wurde von einem großen Aufgebot der Berliner Polizei durchgesetzt.
Fast die gesamte Bandbreite der rechtsextremen Szene war dort vertreten: die neurechte Identitäre Bewegung (IB), die rechtsextreme Partei Der III. Weg, Reichsbürger, Hooligans und Rechtsautonome.

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Durch die Strategie der strikten räumlichen Trennung zwischen Neonaziaufmarsch und Gegendemonstranten ermöglichte es die Polizei, daß die Demonstration bis zu ihren Zielort Bahnhof Friedrichstraße laufen konnte.

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“Die Berliner Polizei ging unter anderem vor dem Bundeskanzlerinnenamt mit unverhältnismäßiger Schärfe gegen den antifaschistischen Protest vor. Steffen Schmidt, Sprecher von Berlin Nazifrei, sagt hierzu: „Wir verurteilen das gewalttätige Vorgehen der Polizei gegen die Teilnehmer*innen der Demonstration von Berlin Nazifrei. Der massive Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken ist durch nichts zu rechtfertigen. Wieder einmal zeigt sich, dass Henkels Sicherheitskonzept darauf ausgelegt ist antifaschistischen Protest gewaltsam zu unterbinden. In Zeiten von Asylrechtsverschärfungen, staatlichem Rassismus und rechter Gewalt sind Antifaschismus und Antirassismus notwendiger denn je.”
Pressemitteilung 07.05.2016: Berlin Nazifrei verurteilt das gewaltsame Vorgehen der Polizei
http://nazifrei.berlin/2016/05/07/pressemitteilung-07-05-2016-berlin-nazifrei-verurteilt-das-gewaltsame-vorgehen-der-polizei/

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Die City Ost wurde quasi zum Sperrgebiet und das Recht in Sicht- und Hörweite von rechten Demontrationen zu protestieren wurde wieder durch die Polizei verwehrt.

2016-05-08

EVOL in der Auguststrasse

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Installation Telekom-Verteilerkasten vor dem Eingang zur Galerie/Auguststraße 21:

EVOL

“Seit 2004 installiert Evol seine Miniaturplattenbauten im öffentlichen Raum. Dabei spielt nicht nur der Ort an sich, sondern auch die Materialität der ausgesuchten Strukturen oder Stadtmöbel eine Rolle, denn deren benutzten und verwitterten Oberflächen verhelfen den relativ einfachen Eingriffen erst zu ihrer optischen bzw. inhaltlichen Qualität. Erdacht wurde das Projekt ursprünglich für Stromkästen, die an fast jeder Straßenecke zu finden sind. Je nach Eigenschaft der gefundenen Objekte aber ergeben sich durch die subtilen Eingriffe auch bizarre architektonische Situationen.

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Mit Architektur als Metapher für den Zustand der Gesellschaft beschäftigt sich EVOL. Seine Reihe der “Plattenbauten” fungieren als Symbol einer gescheiterten politischen und sozialen Utopie. Sie werden, wie kleine Mahnmale der an den Stadtrand gedrängten großen Brüder, wieder in das kollektive Gedächtnis der herausgeputzten Innenstädte installiert. Parasitär bemächtigen sie sich dabei gewohnter und gewöhnlicher Strukturen und Situationen, die durch minimale Eingriffe eine andere Bedeutung erhalten.

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Bevorzugtes Material von EVOLs Atelierarbeiten sind ausrangierte Verpackungs- und Umzugskartons, auf die in einem aufwändigen Schablonenverfahren ‘Portraits’ meist schmuckloser unsanierter Berliner Fassaden aufgebracht werden. Die Verpackung dient meist lediglich dem Schutz seines Inhaltes und sammelt so unwillkürlich die Spuren des Gebrauchs. Eine Art visueller Geschichtsschreibung, eine Identität, die den tatsächlichen Gebäuden im Zuge der kommerziellen Sanierungen abhanden kommt.”

Text: http://www.galerieweisserelefant.de/?page_id=968

Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst mit Werken von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth, Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter.

Bis 4. 6. 2016 in der Galerie Weisser Elefant, Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Kunst & Kultur

Auguststraße 21
10117 Berlin
Tel. (030) 28 88 44 54
Di – Fr 11 – 19 Uhr
Sa 13 – 19 Uhr

siehe auch:

http://evoltaste.com/works/category:Selected%20Works

“man muss kein künstler sein oder irgendetwas von kunst verstehen um die kraft seiner bilder zu begreifen”
Arte: Künstler hautnah - Evol Streetart Berlin 2011:
https://www.youtube.com/watch?v=YcF61Ywh-sI

https://fr.wikipedia.org/wiki/EVOL_%28artiste%29

2016-05-04

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