Baugruppendebatte

Die Spandauer Vorstadt hat jetzt auch eine “Baugruppendebatte“:
Anlaß war die Aufforderung an die derzeitigen NutzerInnen des Grundstücks in der Kleine Rosenthalerstraße 9/10, gegenüber des Garnisonsfriedhofes, das Grundstück zu räumen, damit die “Baugruppe” um den “linken” Journalisten Mathias Greffrath ihre Immobilie errichten kann …


Die NutzerInnen schreiben:
“Seit 1991 wird auf diesem mittlerweile schön dschungelig begrünten kleinen Hofgelände in unterschiedlicher Konstellation von Menschen gemeinsam gebastelt, repariert, gebaut, gelacht, getratscht, gewerkelt, auch mal getrunken und getanzt, geschweisst und geschwitzt, geflext, gefeixt, gegrillt, geprobt und gespielt, rumgesponnen, geschraubt, gearbeitet, gemalt, gelebt, erfunden, diskutiert, instandgehalten, geschmiedet und sonst noch was…
Und das alles vollkommen selbstverwaltet, gleichberechtigt, unbürokratisch und unabhängig! Deshalb ist dieser lebendige Kunsthof Ex-Spekulationsobjekt und der herrschenden Verwertungslogik entzogen (eat shit and die!)… Und das ist auch gut so!”
Werkstattprojekt Linienhof

2010-08-10
Abriss in der Torstrasse 136

Nicht nur aus Liebe zum Beton wird hier das Grundstück Torstrasse 136 - mit einer nicht-verdichteten Bebauung - zur immobilienwirtschaftlich optimalen Ausnutzung “freigemacht”.
Hier gab es jahrelang ein Label für elektronische Tanzmusik und in den letzten 2 Jahren den CCCP-Club …


2010-08-04
Aus dem Archiv: Schönhauser Tor 1992


“Die Unzufriedenheit mit unserer gebauten Umwelt resultiert zu einem guten Teil aus der Aufdringlichkeit
der gebauten Objekte, mithin aus ihrem anmaßenden Anspruch auf den Status als Kunst.” (Gerrit Confurius)
Benjamin sagte:” Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch dessen Wahrnehmung..(..)..taktil und optisch” :
(…) Die Architektur bot von jeher den Prototyp eines Kunstwerks, dessen Rezeption in der Zerstreuung und durch das Kollektivum erfolgt. Die Gesetze ihrer Rezeption sind die lehrreichsten.(…)Bauten begleiten die Menschheit seit ihrer Urgeschichte. Viele Kunstformen sind entstanden und sind vergangen.(…) Das Bedürfnis des Menschen nach Unterkunft aber ist beständig. Die Baukunst hat niemals brach gelegen. Ihre Geschichte ist länger als die jeder anderen Kunst und ihre Wirkung sich zu vergegenwärtigen von Bedeutung für jeden Versuch, vom Verhältnis der Massen zum Kunstwerk sich Rechenschaft abzulegen. Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch Wahrnehmung. Oder besser gesagt: taktil und optisch. Es gibt von solcher Rezeption keinen Begriff, wenn man sie sich nach Art der gesammelten vorstellt, wie sie z. B. Reisenden vor berühmten Bauten geläufig ist. Es besteht nämlich auf der taktilen Seite keinerlei Gegenstück zu dem, was auf der optischen die Kontemplation ist. Die taktile Rezeption erfolgt nicht sowohl auf dem Wege der Aufmerksamkeit als auf dem der Gewohnheit. Der Architektur gegenüber bestimmt diese letztere weitgehend sogar die optische Rezeption. Auch sie findet von Hause aus viel weniger in einem gespannten Aufmerken als in einem beiläufigen Bemerken statt. Diese an der Architektur gebildete Rezeption hat aber unter gewissen Umständen kanonischen Wert. Denn: Die Aufgaben, welche in geschichtlichen Wendezeiten dem menschlichen Wahrnehmungsapparat gestellt werden, sind auf dem Wege der bloßen Optik, also der Kontemplation, gar nicht zu lösen. Sie werden allmählich nach Anleitung der taktilen Rezeption, durch Gewöhnung, bewältigt.
(Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
– Drei Studien zur Kunstsoziologie,
Frankfurt am Main 1977, S. 41)
Der Architekt der Linienstrasse 40, Roger Bundschuh, schrieb mir: “… Mir gefällt das Grau der Fassade ausnehmend gut, wenn ich irgendwelche Kritik hätte dann höchstens die, dass die Oberfläche zu glatt und nicht rough genug geworden ist.(…) Aber ich bin wirklich sehr zufrieden, ich kann mich auch beim allerbesten Willen nicht erinnern etwas gegenteiliges (noch dazu einem mir völlig Unbekannten!) gegenüber geäussert zu haben … ”
2010-04-20
… es polarisiert

Linienstraße 40
Wenn ich Neubauten in der Spandauer Vorstadt fotografiere und beobachte, das sich andere auch gerade für dieses Gebäude interessieren, spreche ich gerne an und frage nach: “Wie gefällt Ihnen denn das Haus …?”
Als das Foto entstand war es auch so, die Antwort: “Eh .., ich habs gebaut”
Ubs … auf meine Anmerkung, das es im Deutschen Architekurforum heftig diskutiert wird (”heute auch dran vorbeigefahren. Sah’ aus wie ein Atlantikwall-Bunker. Wann werden denn die Geschütze montiert?”), die Antwort des Architekten: “Ja sicher, das Gebäude polarisiert, die graue Farbe gefällt mir aber auch nicht mehr, aber …”
Anscheinend “polarisiert” der Neubau Auguststraße 68 des Architekturbüros Hans Dittmann, die Kunsthalle des Kunstsammlers Thomas Olbrich, genauso.
Tim Ackermann meinte in der WELT am 11. April: “Mit seinen wuchtigen Proportionen und der Glas- und Betonfassade hebt er sich von den umliegenden Altbauten ab. Drängelt sich mit gewisser Brutalität in die Straße hinein. Das hat diejenigen alarmiert, die aus Berlins Mitte am liebsten ein ästhetisches Freilichtmuseum aus Zilles Zeiten machen würden. Übersehen wird, dass auch Disharmonie ein Gewinn sein kann. Olbrichts Bau polarisiert, so wie der etwas unglückliche Titel seines Ausstellungshauses: “me Collectors Room Berlin”.”
Aha - es polarisiert …
siehe auch:
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/auguststrasse-68-wunderkammer
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/das-demokratische-nichts-baubeginn-auguststrasse-68
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/auguststr68
2010-04-14
Auguststraße 68: Wunderkammer

Der Neubau Auguststraße 68, das neue Ausstellungs- und Wohnhaus des Kunstsammlers Thomas Olbricht, ist nun fertiggestellt. Gestaltet wurde er durch das Architekturbüro Hans Dittmann, (”bemüht, um einen klare und angemessene Architektursprache”), das schon vor ein paar Jahren das dem Sportplatz-Auguststraße zugewandte Gebäude Linienstr. 161a entworfen hat.
Unter dem Label “me Berlin – moving energies – collectors room” sollen hier ab Mai 2010 auf insgesamt 1.300 m², wechselnde Ausstellungen von internationalen Kunstsammlungen präsentiert und Teile der Olbricht Sammlung ausgestellt werden: Wunderkammer - Das Sammelsurium von Thomas Olbricht.


In dem neuen Gebäude gibt es aber auch Wohnungen zu mieten, z.B. eine 230,00 m² große 5-Zimmer-Wohnung für 3.999,00 € kalt. (http://www.immowelt.de)

Der Charme der AUGUSTSTRASSE ist mit diesem Gebäude wieder ein Stück verloren gegangen …
2009-12-28
Linienstr. 216/217


Endlich hab ich die wahren Gründe des Abrisses im Sommer in der Linienstr.216/117 erfahren. Nicht die maximale ökonomische Ausnutzung des städtischen Raumes, wie ich vermutete, ist der Grund, sondern die wertvollen Steine werden gebraucht …
Danke dem “Leute am Teute”-Blog.

2009-12-13
Konjunkturpaket 2: Straßenbau
Die enge Tucholskystrasse ist zur Zeit Umleitung für die Friedrichstraße - weil die BVG zur Zeit an der Ecke Oranienburger Straße Friedrichstraße die Gleise erneuert.

Gutachter der BVG und der Aufsichtsbehörde testen die neu gebaute Weiche an der Oranienburger Straße.


„Die Gelder aus dem Konjunkturpaket (K II) müssen bis Jahresende ausgegeben werden“, sagt Petra Rohland von der Senatsbauverwaltung. Außerdem würden viele Projekte noch „reingepackt“, solange die Witterung Straßenbauarbeiten möglich macht. Das Problem ist, dass die Koordinierungsstelle der Verkehrslenkung Berlin nur das Hauptverkehrsstraßennetz betreut und darauf achtet, dass nicht überall gleichzeitig gebuddelt wird. Für die Nebenstraßen sind jedoch die Bezirke zuständig, die nicht am Baustellen-Management angeschlossen sind …
schreibt die Berliner Woche.
2009-10-26

