Berlin Mitte Geschichte - 1848 - Erstürmung des Zeughauses

Arbeiter und Handwerker erstürmen das Zeughaus und bemächtigen sich der dort gelagerten Waffen, 14. Juni 1848

14. Juni: Nachdem der Magistrat am Vortag dem demokratischen Klub verboten hat, Geld für Bedürftige zu sammeln, steigert sich die Erregung der Massen. Mittags drängen sie zum Schloß und reißen die dort neu angebrachten Metallgitter ein. Als Bürgerwehr am Brandenburger Tor Arbeitslose mit Waffengewalt daran hindert, die Stadt zu betreten, wird erneut der Ruf nach Waffen laut. Eine schnell gebildete Delegation, begleitet von einer großen Menschenmenge, bringt diese Forderung dem Kommandeur der Bürgerwehr und dem Kriegsminister zur Kenntnis. Als schließlich die Bürgerwehr beim Zeughaus auf das Volk schießt, zwei Arbeiter tötet und mehrere verwundet, bricht der Sturm los. Arbeiter und Handwerker dringen in das von Bürgerwehr und Militäreinheiten besetzte Zeughaus ein und bemächtigen sich der dort gelagerten Waffen. Doch die Selbstbewaffnung bleibt nur eine spontane Verzweiflungstat. Unzureichende Organisation und mangelnde Kenntnis der notwendigen nächsten Schritte führen zur Niederlage dieser Aktion. Damit ist auch der ernsthafteste Versuch, die Revolution außerhalb des Parlaments weiterzutreiben, gescheitert.
18.-20. Juni: In Absprache mit dem Zentralkomitee für Arbeiter findet auf Einladung des Handwerkervereins in dessen Vereinsgebäude, Johannisstraße 4, der 1. Kongreß deutscher Handwerker- und Arbeitervereine statt. An ihm nehmen 69 Delegierte teil, die 91 Vereine in 72 Städten vertreten. Die Absicht des Zentralkomitees, den Kongreß zur Begründung einer überregionalen Arbeiterorganisation zu bewegen, mißlingt.
Quelle: R.Bauer, Berlin: illustrierte Chronik bis 1870, Dietz Verlag, 1988
siehe auch http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-unterdrueckung-der-demokraten und
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-mitte-geschichte-1848-barrikadenkaempfe-in-berlin
2010-06-22
Aus dem Archiv: Willkommen in der BRD 1990


gesehen in der Mulackstrasse, 1990
Nur die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion bietet die Chance,
ja die Gewähr dafür, dass sich die Lebensbedingungen rasch und
durchgreifend bessern. Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es
uns gelingen, Mecklenburg/Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg,
Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln,
in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.
Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl am 1. Juli 1990
In der DDR gab es kein Staatseigentum. Das war von der Verfassung nicht vorgesehen. Es gab kein staatliches Vermögen, das nicht Volkseigentum war. Im Interesse des Volkes sollte es vom Staat verwaltet werden. Immer wieder wird behauptet, das Volkseigentum sei nur eine ideologisch verbrämte Bezeichnung für Staatseigentum gewesen. Nein, der Staat durfte ganz entscheidende Dinge nicht, die er heute darf. Dem Staat war es nicht erlaubt, Volkseigentum zu privatisieren. Er durfte es weder mit Schulden belasten, noch pfänden.(…)
Es handelte sich also erstmals um eine ökonomische Vergesellschaftung, der aber die politische fehlte. Sträflich wurde ignoriert, was sogar im offiziellen Verfassungskommentar vorausgesetzt wurde: „Die Mitwirkung an der Leitung der Wirtschaft durch alle Werktätigen“. (…)
Die eher feudalen Entscheidungsstrukturen sollte der demokratische Aufbruch von 1989 beseitigen; der Bürger sollte aufgewertet werden, nicht der Staat. Was das Kapital aber ganz anders sah. Seine Vertreter bestanden schon im 1. Staatsvertrag vom Mai 1990 darauf, dass die Volkskammer das Pfändungs-, Belastungs- und Veräußerungsverbot aufhebt und so das unvollkommene sozialistische Eigentum in vollkommenes kapitalistisches Staatseigentum verwandelt. Was diese mit Gesetz vom 28.6.90 auch brav tat. Der erste Akt der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer war die Enteignung des Volkes.
Daniela Dahn, Wem gehört das Staatseigentum?
2010-05-30
Alexanderplatz 6

An dem 220 Meter langen Haus auf der Nordseite des Alexanderplatzes, das ehemalige “Haus der Elektroindustrie” (gebaut 1967-1969), wurde im Sommer 2000 dieses Zitat angebracht:
“Eine Hand voll Menschen um den Alex. Am Alexanderplatz reißen sie den Damm auf für die Untergrundbahn. Man geht auf Brettern. Die Elektrischen fahren über den Platz die Alexanderstraße herauf durch die Münzstraße zum Rosenthaler Tor. Rechts und links sind Straßen. In den Straßen steht Haus bei Haus. Die sind vom Keller bis zum Boden mit Menschen voll. Unten sind die Läden. Destillen, Restaurationen, Obst- und Gemüsehandel, Kolonialwaren und Feinkost, Fuhrgeschäft, Dekorationsmalerei, Anfertigung von Damenkonfektion, Mehl und Mühlenfabrikate, Autogarage, Feuersozietät. Wiedersehen auf dem Alex, Hundekälte. Nächstes Jahr, 1929, wirds noch kälter.”
Aus Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“

2010-03-22
Der Garnisonfriedhof

Der Garnisonfriedhof am Ende der Auguststraße - heute eine Oase in der steinernen Spandauer Vorstadt - hatte ursprünglich zwei Teile: den “Offiziersfriedhof” für Offiziere des preußisch-deutschen Heeres und den “Gemeinenfriedhof” für den einfachen Soldaten, der sich über die heutige Gormannstraße (früher Laufgasse) bis zur Rückertstraße (früher Wüste Gasse) hinzog.
Das Gründungsjahr der Friedhofsanlage ist auf Grund fehlender Urkunden und Akten nicht mehr belegbar, mit Sicherheit fanden aber seit 1706 Bestattungen statt. 1854 ordnete das Kriegsministerium an, die Verstorbenen des Garnisonlazarettes nicht mehr auf dem Garnisonfriedhof, sondern auf dem Invalidenfriedhof vor den Toren der Stadt zu begraben. Die letzten regulären Beisetzungen auf dem nicht mehr erhaltenen Gemeinenfriedhof fanden 1876 statt. 1877 wurde der geschlossene Gemeinenfriedhof als Spazierpark und 1900 zur Bebauung freigegeben.

Soldaten sind Mörder
“Wann Krieg beginnt, kann man Wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls es da Regeln gäbe, müßte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde unter anderen Sätzen: laßt Euch nicht von den Eigenen täuschen” schrieb Christa Wolf 1983 in ihrer Erzählung Kassandra.
Heute gibt es kein Kriegsministerium mehr in Deutschland.
Einen Krieg nennt man Entwicklungshilfe.
Laßt Euch nicht von den Eigenen täuschen!
Bundesweiter Protest gegen den Afghanistan-Krieg am 20. Februar 2010 in Berlin
2010-02-14
Ausstellung: Abnahmeprotokoll
Die alte Mitte von 1984 - 1994.
250 Häuser in der Rosenthaler & Spandauer Vorstadt - Fotografien von Klaus Bädicker.
* Dauer: 31. Oktober bis 19. Dezember 2009
* Öffnungszeiten: Do, Fr, Sa 16 - 20 Uhr
Berlin Carré, ehem. Markthalle
Karl-Liebknecht-Straße 13, Laden 12/13 Erdgeschoss

Mulackstr. 37 - Foto: Klaus Bädicker
Vortragsreihe jeden Samstag um 16 Uhr
07.11. Spurensuche in der Rosenthaler Vorstadt
Die Journalistin Ulla Jung liest aus ihrem Buch. Klaus Bädicker berichtet vom Leben am Arkonaplatz während der DDR-Wohnungssanierung
14.11. Das falsche Scheunenviertel. Ein Vorstadtverführer.
Die Autorin Ulrike Steglich liest aus ihrem Buch.
21.11. Spaziergänge durch die Mitte.
Gerhard Heinicke spricht über die Geschichte der Spandauer Vorstadt.
28.11. Schicksal eines fast vergessenen Gotteshauses
Die Autorin Sabine Krusen spricht über die jüdische Privatsynagoge Beth Zion in der Brunnenstraße 33.
05.11. Gedenktafeln in der Spandauer und Rosenthaler Vorstadt seit 1990.
Volker Hobrach, Vorsitzender der Gedenktafelkommision
12.12. Geschichten von Paul und den Anderen.
Neue Berliner Geschichten.
Die Autorin Ulrike Steglich liest Geschichten über Menschen aus Mitte.
19.12. Spandauervorstadt - Das Scheunenviertel.
Gerhard Heinicke erzählt Wissenswertes zur Geschichte des Scheunenviertels.
siehe auch: Wendezeit
2009-11-03
Das Gebäudeensemble Auguststrasse 11-16

Das vom Architekten Alexander Beer 1930 entworfene Gebäude Auguststraße 11-13, ist das letzte Gebäude, das die Jewish Claims Conferende Anfang Oktober an die Jüdische Gemeinde Berlins zurückgegeben hat.
Bis 1942 war das Gebäude eine jüdische Schule, danach wurde es als Lazarett genutzt. In der DDR war hier die „Bertolt-Brecht-Schule“ angesiedelt. Nach der Wende wurde das Gebäude an die Jewish Claim Conference übergeben. Die JCC ist ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen in New York, die seit 1951 Entschädigungsansprüche jüdischer Nazi-Opfer vertritt.
Im Vorstand der jüdischen Gemeinde wird zur Zeit darüber diskutiert, ob in die ehemalige Mädchenschule nun wieder Schüler einziehen sollen. Die Jüdische Oberschule in der nahen Großen Hamburger Straße braucht dringend eine Erweiterung.
In den 90er Jahren war bereits das benachbarte Grundstück in der Auguststraße 14-16, in dem sich zunächst das Jüdische Krankenhaus und bis 1943 das Kinderheim „Ahawa“ befunden hatte, durch die JCC an die Gemeinde übertragen worden.
Erbaut zwischen 1858 und 1861, entworfen von Carl Eduard Knoblauch, galt das Gebäude als der modernste Krankenhausbau im damaligen Preußen.(Nr. 16)
Ergänzt wurde dieses durch ein Verwaltungs- und Apothekengebäude (Nr. 14). Im September 1861 wurde das Krankenhaus eröffnet und nach 15 Jahren um ein weiteres Haus ergänzt, das der dauerhaften Unterbringung von Pflegebedürftigen dienen sollte (Nr. 15).
Nach 1900 wurde das Krankenhaus jedoch zu klein und entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Nach dem Neubau des Jüdischen Krankenhauses im Wedding wurde es deshalb in den 1920er Jahren zum Kinderheim umgewidmet. In der NS-Zeit wurde das Haus der Jüdischen Gemeinde entzogen und als Sammellager missbraucht.
Nach der deutschen Vereinigung stand das gesamte Ahawa-Gebäude leer. Über die Jahre wurden verschiedene Nutzungskonzepte diskutiert, verstärkt wieder ab 2007, als die Untere Denkmalbehörde die Auflage erteilte, die Gebäudesubstanz zu sichern. Die Sicherungsarbeiten für das Ahawa-Gebäude wurden 2008 – auch wegen fehlender Mittel der Gemeinde – vorerst abgeschlossen. Jetzt besteht jedoch die Gefahr, dass – nach fast 20 Jahren Leerstand – das Dach des Siechenhauses einstürzt.

Dank dem Landesdenkmalamt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten, die 400.000 Euro zur Verfügung gestellt haben, kann nun als erstes an die Gebäudesicherung fortgesetzt werden, die voraussichtlich bis Jahresende mit dem ersten Bauabschnitt abgeschlossen sein wird.
Über die Frage, was mit dem Areal und dem Gebäudeensemble geschehen soll, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Einige Konzepte, so für ein Mehrreligionenhaus, eine Schule und ein Jugendhotel, wurden der Repräsentantenversammlung präsentiert.
Quellen:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Mitte%3Bart270,2913944
http://www.jg-berlin.org/beitraege/details/der-ahawah-eine-perspektive-geben-i194d-2009-09-30.html
2009-10-12
Archäologische Grabungen

zur Zeit am Schloßplatz, Berlin Mitte
eigentlich müßte in Berlin noch an ganz anderen Stellen gegraben werden

siehe auch:
http://www.rbb-online.de/ozon/beitrag/2008/zwischen_bagger_und.html
2009-09-01
