Die Kronleuchter im Grill Royal II hängen schon

Pauly Saal, The Kosher Classroom und Mogg & Melzer Delicatessen - das sind die Namen der Restaurants die in der ehemalige Jüdische Mädchenschule, Auguststrasse 11-13, im Februar eröffnen werden.
Garniert werden die gastronomischen Einrichtungen mit - KUNST.
Das historische Gebäude, erbaut von dem Architekten Alexander Beer, wurde für 30 Jahre gemietet und ist Teil des Ensembles der jüdischen Gemeinde in der Auguststrasse.
Etikettenschwindel
Die Süddeutsche Zeitung schrieb letzte Woche: “Die letzten Freiflächen und Bauruinen werden rar in Berlin. Trotzdem lässt es die Stadt zu, dass diese mit der immer gleichen Mischung aus Gastronomie, Shopping und Luxusappartements radikal ausverkauft werden - unter dem Etikett Kunst, versteht sich.”
UND: “Ein Beispiel: die ehemalige Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße, eines der wenigen architektonisch herausragenden Gebäude der Neuen Sachlichkeit in Mitte, feierte 2006 ihre Wiederentdeckung, als Maurizio Cattelan sie für die Berlin Biennale öffnete. Jüngst wurde das Gebäude gleich hinter der Synagoge in der Oranienburger Straße saniert, allerdings nicht als Ausstellungshaus, sondern damit dort Galerien und Restaurants einziehen können. Es eröffnet Anfang Februar als Haus “für neue Kunst und Esskultur”. Kann man da etwas dagegen haben?
Man kann: Denn anders als es die Ankündigung vielleicht vermuten lässt, ist mit der Neueröffnung eben kein Ort für die Stadt gewonnen - sondern endgültig aufgegeben. Galerien sind kein öffentlicher Raum, auch wenn sie keinen Eintritt verlangen. In Restaurants muss man konsumieren, die Speisekarte ersetzt hier den Türsteher.”
http://www.sueddeutsche.de/kultur/immobilien-ausverkauf-berliner-etikettenschwindel-1.1257624
2012-01-17
Ehemalige Universitätsfrauenklinik Tucholskystraße 2
“Es gibt Momente, in denen ein simpler Wiederaufbau, selbst wenn nicht mehr viel übrig ist, absolut gerechtfertigt ist. Er bewahrt Kontinuität. Das ist nicht unbedingt anspruchslos. Vielleicht ist der Wiederaufbau nicht so schön wie das Original, aber das ist möglicherweise nicht die Frage. Ich bin nicht per se gegen alle historischen Rekonstruktionen.”
David Chipperfield

Das von Martin Gropius und Heino Schmieden 1879 entworfene Hauptgebäude der Universitätsfrauenklinik der Charité, Tucholskystraße 2, wird seit ein paar Wochen entkernt und umgebaut. Die Pläne des für den Umbau verantwortlichen Architekten David Chipperfield sind alles andere als Entwürfe für eine denkmalgerechte Sanierung.

“Das Gebäude ruft mit seinen runden Fensterbögen bei mir Erinnerungen an Ferienanlagen im Mittelmeerraum hervor. Trivial und in der Umgebung sicherlich unpassend” diskutiert das Deutsches Architektur-Forum

(C) Freiberger Holding
Der LANDESDENKMALRAT BERLIN hatte in seiner Sitzung vom 17. Juni 2011 aber keine Bedenken: “Den Planungen und dem Ergänzungsneubau des Martin-Gropius-Hauses an der Tucholskystraße wird zugestimmt. Der verantwortliche Umgang und die hohe gestalterische Qualität direkt gegenüber der Welterbestätte Museumsinsel wurden von den Mitgliedern des Landesdenkmalrates gewürdigt.”

siehe auch:
http://www.morgenpost.de/kultur/article1044912/Wie_Architekt_Chipperfield_mit_der_Kritik_umgeht.html
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-privatisierte-stadt
2012-01-04
Die privatisierte Stadt

Durch den Verkauf der öffentlichen Boden- und Immobilienbestände in den letzten 20 Jahren überläßt die “öffentliche Hand” die Gestaltung von Stadt nur noch profitorientierten Privateigentümern, und die entwickeln alle nach dem gleichen Muster: Hotel und Shopping, Büros, Gastronomie und Luxuswohnungen.
Die Gebäude in dem Gebiet zwischen Monbijou-, Tucholsky-, Oranienburger Straße und Spree, über 100 Jahre in öffentlichen Besitz, gleichzeitig von hoher kunsthistorischer Bedeutung, sollen nun ein “exklusives neues Stadtviertel” werden.

Bereits 2001 erwarb die Freiberger Holding, mit Sitz im bayerischen Amerang, den nördlichen Teil des Areals zwischen Ziegelstraße und Oranienburger Straße, ein Gebäudekomplex, bis 1945 Haupttelegrafenamt (HTA) von Berlin, in der DDR-Zeit von der Deutschen Post als Fernmeldeamt und anschließend bis 1998 von der Deutschen Telekom genutzt.



2007 kauften sie die Gebäude im südlichen Teil am Ufer der Spree vom Berliner Liegenschaftsfonds, der im Auftrag der Universitätsklinik Charité ein Bieterverfahren durchführte. Bis Ende 2010 konnte die Humboldt-Universität die Gebäude noch nutzen.



Unter dem etwas anmaßenden Titel „Forum Museumsinsel“ sollen jetzt bis 2014 rund 110.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche ausgebaut und dann vermietet werden.
Darunter sind das älteste Logenhaus Berlins (1789–1791), die von Martin Gropius entworfene Charité-Frauenklinik (1879–1883) das Haupttelegrafenamt (1910–1916) sowie die ebenfalls einst zur Charité gehörenden Häuser Monbijou (1902–1906) und Ida Simon (1908–1910), das Fernsprechamt (1925–1927), sowie die im strengen Bauhaus-Stil errichtete neue Charité-Frauenklinik (1929–1932).

„Wir wollen zwar viel verändern – dabei werden wir jedoch mit den Baudenkmalen äußerst verantwortungsvoll und behutsam umgehen“, versprach der Investor Ernst Freiberger.
2011-10-13
Tacheles Zaunpolitik

Das “Tacheles” ist ein Bau, an dem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts ablesen lässt, schrieb Günther Luxbacher im Mai 2011 in der Wiener Zeitung.

“Es gibt nur wenige Gebäude, die für die führenden Institutionen deutscher Geschichte so vollständig und repräsentativ als Bühne dienten wie das Berliner Kunsthaus Tacheles.” und
“Was macht das Gebäude nun im Einzelnen historisch so einmalig? Gehen wir die einzelnen Epochen durch. Das 20. Jahrhundert begann mit dem Aufstieg der modernen industriellen Konsumgesellschaft: Das Tacheles wurde als Kaufhaus erbaut. Es folgten die technikbegeisterten 20er Jahre. Der Elektrokonzern AEG machte es zum “Haus der Technik”. Danach quartierten sich nationalsozialistische Institutionen ein, die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und das SS-Zentralbodenamt, der “Generalplan Ost”.(…)
[ab 1945] Der FDGB verwaltete das teilweise zerstörte Gebäude, in welches das regimetreueste Kino sowie der volkseigene Baubetrieb einzogen. 1990 atmete das Haus erneut Zeitgeist: Eine Bürger- und Künstlerinitiative samt “Rundem Tisch” verhinderte dessen endgültige Sprengung und gab der Ruine den Namen “Tacheles”.

Zur Zeit läßt der Zwangsverwalter des insolventen Grundstückeigentümers, geschützt durch einen aus Berliner Partytürstehern bestehenden Sicherheitsdienst, Zäune ziehen und Kunstwerke zerstören.



2011-08-10
update 2011-08-26
weil der link bei “Kunstwerke zerstören” nicht mehr funktioniert, hier der Text der Pressemeldung des Polizeipräsident in Berlin:
Pressemeldung
Eingabe: 08.08.2011 - 11:40 Uhr
Gefährlicher Brückenbau – Bauaufsicht und Polizei schlichten
Mitte
Im Streit um die Bebauung von Teilen eines unter Zwangsverwaltung stehenden Areals zwischen der Oranienburger Straße sowie der Friedrich- und Johannisstraße mussten Bauaufsicht, Polizei und Feuerwehr gestern Abend schlichtend eingreifen.
Der Sicherheitsdienst des Zwangsverwalters alarmierte die Polizei gegen 20 Uhr, da Personen der auf Teilbereichen des Geländes verbliebenen Künstlergruppierung ein mehrere Meter hohes provisorisches Stahlkonstrukt errichtet hatten. Offensichtlich sollte dieses Bauwerk als Brückenschlag vom Gebäude auf die Freifläche dienen, da bereits mehrere Personen auf das verschweißte und mit unbefestigten Holzplatten ausgelegte Bauteil geklettert waren.
Nach Anordnung der Einstellung aller Schweiß- und Brückenbauarbeiten sowie Kurzbegutachtung durch die Bauaufsicht wurden alle Zugänge zu der unsicheren Überbrückung gesperrt und alle Personen in Höhenluft zurück auf den festen Boden gebeten. Rund 40 Polizeibeamte und die vorsorglich alarmierte Berliner Feuerwehr konnten sowohl die Streitparteien als auch die unfreundliche Stimmung unter den etwa 90 Brückenfans gegen Mitternacht in weniger turbulente Bahnen lenken.
Im Zuge der anfänglich handfesten Streitigkeiten wurde ein Sicherheitsmitarbeiter leicht am Fuß verletzt und seine mitgebrachte Leiter beschädigt. Die Beamten leiteten Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und falscher Verdächtigung ein.
Kulturdenkmal Auguststrasse 11-16

Auguststraße 14-16, 2008
Das Areal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in Berlin-Mitte, Oranienburger Straße 28-31 und Auguststraße 11-16, ist vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Bernd Neumann, als national wertvolles Kulturdenkmal anerkannt worden. (…) Damit verbunden ist die Vergabe von Fördermitteln aus dem Denkmalpflegeprogramm des BKM.(…)
In vier Bauabschnitten soll die nutzungsneutrale Substanzsicherung und Restaurierung der Gebäude Auguststraße 14-16 von 2011 bis 2014 durchgeführt werden.
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer: “Ich freue mich für die jüdischen Gemeinde zu Berlin und für alle Berlinerinnen und Berliner über diese Anerkennung. Baudenkmäler sind unser stärkstes historisches Gedächtnis. Durch diese Baudenkmäler, in denen das alltägliche Leben stattgefunden hat und stattfindet, wächst das Verständnis für die Vergangenheit und die Chance, die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu gestalten. Mit der Anerkennung ist ein weiterer wichtiger Schritt für eine Sicherung des kulturellen Erbes der jüdischen Gemeinschaft in Berlin gemacht worden und damit für das kulturelle Erbe der ganzen Stadt.”(…)
Für eine spätere Nutzung des ehemaligen Jüdischen Krankenhauses Auguststraße 16 werden zurzeit Verhandlungen der vier Universitäten von Berlin und Brandenburg (HU, TU, FU und Uni Potsdam) geführt zur Einrichtung eines Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.
siehe auch:
Das Gebäudeensemble Auguststrasse 11-16
2011-06-16
Kulturhaus Mitte - geschlossen seit Dezember 2010

Das im Hinterhaus der Auguststraße 21 gelegene Gebäude beherbergte bis Ende Dezember 2010 das Kulturhaus Mitte, ab Sommer 2011 wird es dann als Grundschule genutzt. Damit endet die Geschichte eines der ältesten Berliner kommunalen Kulturhäuser, seit den 50er Jahren am Standort Rosenthaler Straße 51, seit 1999 in der Auguststraße 21.
2009 mußte schon das Theaterhaus Mitte, ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kulturamt Mitte und Förderband e.V., aus dem Schulgebäude am Koppenplatz ausziehen, heute die ‘Grundschule am Koppenplatz’.
Ist denn die Fertilitätsrate (Zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer) in der Spandauer Vorstadt so stark gestiegen oder meiden viele Eltern, auch wenn sie eher in der Nähe z.B. der Gustav-Falke-Schule wohnen, ihre Kinder nördlich der Bernauer Straße einzuschulen? Denn während die Grundschulen südlich der Bernauer Straße überfüllt sind, brechen der Gustav-Falke-Grundschule die Schülerzahlen weg: von ehemals 600 auf heute knapp 350. Die Grundschule braucht daher dringend die Schüler aus Alt-Mitte
siehe: Die soziale Trennungslinie
Hat deswegen das Bezirksamt Mitte im Herbst 2010 die freie Schulwahl im Bezirk eingeführt?
“Die kleinteiligen Einzugsbereiche sollen komplett abgeschafft werden. Zwischen Moabit, Wedding und Alt-Mitte soll es nur noch 10 sogenannte Sprengel geben. Innerhalb eines Sprengels befinden sich mindestens 5 Grundschulen an denen die Eltern ihre Kinder anmelden können. Dadurch entsteht eine weitgehend freie Schulwahl.”
http://www.grundschulen.net/34-eltern-sollen-kunftig-die-schule-fur-ihr-kind-frei-wahlen-konnen.html

Als kommunale Kultureinrichtung war das Kulturhaus durch seine Veranstaltungen weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt, insbesondere durch bestimmte Konzertreihen wie Jazz / Improvisierte Musik und Hörspiele zum Zugucken. Profilbestimmend waren darüberhinaus regelmäßig stattfindende Kleinkunstprogramme (Lesungen, Konzerte, musikalisch- literarische Programme, kleine Theaterproduktionen) insbesondere an den Wochenenden, die eine intensive und differenzierte Auftrittsatmosphäre erlaubten: konzertante Formen und die Nähe zwischen Künstler, Veranstalter und Publikum - im Gegensatz zu Veranstaltungsorten mit rein kommerziellem Charakter.
Besonderer Schwerpunkt im Kulturhaus war die künstlerische Förderung und Bildung von Kinder und Jugendlichen. Dies geschieht in den Einrichtungen “Kinderatelier Farbklang”, “Klezmerzentrum” und der Trickfilmwerkstatt “Lackritzelei”.
Geschichte:
1895 entstanden die Gebäude für die 10. städtische Realschule nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Hermann Blankenstein
Noch bis 1998 wurde das Hofgebäude als Schule mit wechselnden Schulangeboten genutzt:
bis 1933 Realschule
von 1933 bis 1947 Berufschule für das Bekleidungs- und Friseurgewerbe
von 1949 bis 1955 Grundschule (1. bis 8. Klasse)
dann bis 1967 die 11.Allgemeinbildente Polytechnische Oberschule
1968 bis 1973 Polytechnisches Zentrum
1973 bis 1997 Sehschwachenschule.
1999 zog das Kulturamt, das sein angestammtes Quartier in der Rosenthaler Straße verlassen musste, in das Gebäude.
2011-01-06
Auguststrasse 11-13

Die vom Jewish Claims Conference im Herbst 2009 der Jüdischen Gemeinde übertragene ehemalige jüdische Mädchenschule wird jetzt saniert und wird - wie originell - Galerie und Restaurant.
Die Repräsentanten der Gemeinde stimmten für das Projekt von Michael Fuchs (Galerie Haas & Fuchs), der es für vier Millionen Euro sanieren will. Fuchs kann die Mädchenschule, mit 3300 Quadratmetern Nutzfläche, für 20 Jahre mit einer Option für weitere zehn Jahre zu guten Konditionen mieten.

Das Schulhaus wurde im Auftrag der jüdischen Gemeinde von Berlin durch ihren Gemeindearchitekten Alexander Beer Ende der 1920er Jahre erbaut und 1930 von der jüdischen Mädchenschule bezogen.
Die Schule in der Auguststraße wurde 1942 geschlossen, bis Ende des Krieges benutzte das katholische St. Hedwigs Hospital ihre Räume. Mitte der 1950er Jahre konnte die ursprüngliche Nutzung durch die Bertolt-Brecht Oberschule wieder aufgenommen werden. Diese Kontinuität wurde nach der Wiedervereinigung durch die 2. Gesamtschule des Bezirks Berlin-Mitte weitergeführt, bis diese 1996 wegen Schülermangel schließen musste.
siehe auch: Das Gebäudeensemble Auguststrasse 11-16
2010-12-21
