AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Gentrifizierung in Berlin Mitte

Kule
Fassadeninstallation an der KULE, Auguststraße

“Arm und sexy? Teuer und öde!” titelte SPIEGEL-online letzte Woche:

“Der Immobilienmarkt macht dem Mythos Berlin Mitte den Garaus. Immer mehr Kulturinstitutionen schließen oder wandern ab. Jetzt muss auch die renommierte Fotogalerie c/o Berlin weichen - für einen schicken Hotelkomplex.(…)Der drohende Auszug der renommierten Galerie hat dennoch Folgen - denn damit droht der Stadtteil endgültig kulturell zu veröden. Auf dem Weg von der Oranienburger Straße Richtung Hackesche Höfe findet man neben blitzblank sanierten Gebäuden und schicken Designer-Stores schon heute kaum noch die Pioniere, die das Viertel einmal prägten. Zwischen Systemgastronomie und Franchising ist c/o Berlin einer der letzten originellen Anlaufpunkte.
Es ist der übliche Kreislauf, auch Gentrifizierung genannt: Wenn die Off-Galeristen, die Künstler und andere eigensinnige Geister eine Gegend als Wohngebiet interessant und zum touristischen Anziehungspunkt gemacht haben, kommen die Investoren. Und irgendwann müssen dann auch die Pioniere gehen, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können. Oder weil ihre Standorte verkauft werden.(…)
Billiger Raum und ein spannendes Umfeld lockten im Berlin der Nachwendezeit kulturelle Nischenprojekte nach Mitte. Heute stehen viele von ihnen vor dem Aus. Als letzte Woche 5000 Menschen unter dem Motto “Rette deine Stadt!” gegen Gentrifizierung und “Kulturkahlschlag” demonstrierten, waren neben dem Tacheles auch das Acud und der Schokoladen e.V. dabei. Zwei weitere Off-Kultur-Originale, die von der Schließung bedroht sind.(…)
“Lebenswerte Kulturräume werden durch eine auf den Tourismus ausgerichtete Infrastruktur verdrängt, weil Stadtentwicklung heute unter einem Verwertungsdiktat steht”, sagt der Berliner Soziologe Andrej Holm, Betreiber des viel gelesenen “Gentrification Blog“. “Eingreifen müssen hätte die Politik schon vor 20 Jahren, durch Eingriffe in den Bodenmarkt. Wenn die Politiker heute öffentlich bedauern, dass Kultureinrichtungen weichen müssen, ist das nur noch amüsant”, meint Holm.”
(http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,706506,00.html)

Schokoladen

Schokoladen
Lampenschirm vor dem Schokoladen, Ackerstraße

2010-07-22

Streetartisten machen sich rar …

in der AUGUSTSTRASSE und Umgebung - kein Wunder.
Doch man findet immer wieder ein paar neue Arbeiten, solang sie nicht geklaut oder von den Plakatwerbern überklebt werden …

bemalte Fliese von El Bocho

bemalte Fliese von El Bocho - schnell geklaut - in der Großen Hamburger Strasse

bemalte Fliese von El Bocho

Der 6en-Maler Rainer, auch bekannt als 6-_-.4rtist.com, auf einen umgefahrenen Spandauer Vorstadt Poller in der Linienstrasse

6en-Maler Rainer

Sticker von Frank alias Stromausfall

Sticker von Frank alias Stromausfall in der Auguststrasse

Sticker von Frank alias Stromausfall

spring not dead von SP38 in der Auguststrasse

spring not dead von SP38

2010-06-06

me Collectors Room Auguststrasse 68

me Collectors Room Berlin, Auguststrasse 68

me Collectors Room Berlin

“Thomas Olbricht, Sammler und Bauherr, Wissenschaftler, Arzt, ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wella AG und vor allem Erbe eröffnet in einem großem Neubau in der Auguststraße 68 die “Galerie Me” mit der Ausstellung “Passion Fruits”. Für die Anwohner und Kiezberliner eher ein Dorn im Auge, ist das Haus in Mitte nun das größte und klotzigste in der Umgebung.” (http://www.am-ende-des-tages.de/photos/100429-vernissage-olbricht-computerspielepreis-anonymous-emmerich/?PHPSESSID=a4f30e4a44436d211951c82f1fb0e859)

“Mit fünf Jahren fing er an zu sammeln - Briefmarken und Bierdeckel.” (BZ)

“Wer Kunst sammelt, der will sie irgendwann auch zeigen. Er will den Menschen einen Gefallen tun, seinen Reichtum präsentieren oder guten Geschmack beweisen.
Zum Spaß hat er sich nun ein ziemlich klobiges Haus in die Auguststraße, gleich neben die nicht ganz so großen, für Berlins Aufstieg zur Kunsthauptstadt aber prägenden Ausstellungsräume der Kunst-Werke gesetzt. (…) Olbricht will die Berliner Besucher das Staunen lehren.”
(http://www.zeit.de/2010/18/Kunstmarkt-Thomas-Olbricht)

me Collectors Room Berlin

“In Hinblick auf die Kunst lässt sich das ME nur als ein hypertrophes ICH interpretieren, das in einem sechs Meter hohen, 3.330 Quadratmeter umfassenden Betonkasten haust, der den zierlichen Barockbau der direkt danebenliegenden Kunst-Werke mit brachialer Wucht zu erdrücken versucht, (…)”
(http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2010%2F04%2F30%2Fa0237&cHash=9e7cbe977f)

“Jetzt steht es, höher und größer als alle anderen Gebäude in der Auguststraße, aber mit weniger Raum als geplant für die Sammlung und mehr für luxuriösen Wohnraum, der vermietet wird. Olbricht ist damit zufrieden, er sei heute für die Auflagen der Ämter “dankbar”, alles sei viel zu groß gewesen.”
(http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,691308,00.html)

“Das Gebäude ist ein grober Klotz mit langweiliger Fassade. Am Vordach zieht sich ein rotleuchtender Rallye-Steifen entlang. Auf den ersten Blick denkt man eher an eine H&M-Filiale oder eine neue Dependance der Pizza-Kette Vapiano als an einen Ausstellungsort. (…) Alles richtig gemacht, aber nichts ist besonders oder aufregend. Eher so, wie im ersten Semester Architekturstudium Museen entworfen werden - als Wiederholung von Bekanntem. Andere Privatsammler haben mit ihren Bauten die Architekturdebatte ihrer Zeit beeinflusst, man denke zum Beispiel an die Sammlung Goetz und ihren Ausstellungsraum von Herzog & de Meuron in München. (…) Das ganze befindet sich in der Auguststraße, in den 90er-Jahren der Hot-Spot der Berliner Kunstszene heute eher eine touristische Adresse. Die Chance, als privater Investor zu helfen, neue, spannende Orte (ob in Neukölln, im Wedding oder ganz woanders in Berlin) zu definieren, wurde vertan. Und auch auf das, was am Ort vorhanden ist, wurde nicht reagiert. (…)
Steht die Sammlung also für die Zukunft von Berlin? Ja, der “me Collectors Room” ist ein Beispiel für ein gegenwärtiges Dilemma. Berlin ruht sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus, lebt auf Image-Pump. Mehr und mehr hält ein Lebensstil Einzug in die Stadt, der sich vom Ruf einer kreativen Stadt angezogen fühlt, aber selber nicht die Kraft hat, diese Qualität zu leben und weiter zu entwickeln. Beim “me Collectors Room” zieht sich die provinzielle Biederkeit vom Absperrgitter über die Ortswahl bis zum architektonisch langweiligen Umgang mit Raum und Umgebung.
So zeigt der “me Collectors Room”, was mit Berlin passiert, wenn es seine Lust am Experimentieren verliert. Berlin droht, seinen eigenen Charakter zu domestizieren und zum Schaufenster eines bürgerlichen Habitus zu werden, der seinen Wunsch nach Verrücktheit in kulturellem Engagement sublimiert.(…)”
(http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7442813/Thomas-Olbrichts-Wunderkammer.html)

me Collectors Room Berlin

“Es ist wunderbar zu sehen, wie ein altes ausgestopftes Tier auf ein Bild von heute schaut” (Thomas Olbricht)

2010-05-03

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Aus dem Archiv: Schönhauser Tor 1992

Schoenhauser Tor 1992

Schoenhauser Tor 1992

“Die Unzufriedenheit mit unserer gebauten Umwelt resultiert zu einem guten Teil aus der Aufdringlichkeit
der gebauten Objekte, mithin aus ihrem anmaßenden Anspruch auf den Status als Kunst.” (Gerrit Confurius)

Benjamin sagte:” Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch dessen Wahrnehmung..(..)..taktil und optisch” :
(…) Die Architektur bot von jeher den Prototyp eines Kunstwerks, dessen Rezeption in der Zerstreuung und durch das Kollektivum erfolgt. Die Gesetze ihrer Rezeption sind die lehrreichsten.(…)Bauten begleiten die Menschheit seit ihrer Urgeschichte. Viele Kunstformen sind entstanden und sind vergangen.(…) Das Bedürfnis des Menschen nach Unterkunft aber ist beständig. Die Baukunst hat niemals brach gelegen. Ihre Geschichte ist länger als die jeder anderen Kunst und ihre Wirkung sich zu vergegenwärtigen von Bedeutung für jeden Versuch, vom Verhältnis der Massen zum Kunstwerk sich Rechenschaft abzulegen. Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch Wahrnehmung. Oder besser gesagt: taktil und optisch. Es gibt von solcher Rezeption keinen Begriff, wenn man sie sich nach Art der gesammelten vorstellt, wie sie z. B. Reisenden vor berühmten Bauten geläufig ist. Es besteht nämlich auf der taktilen Seite keinerlei Gegenstück zu dem, was auf der optischen die Kontemplation ist. Die taktile Rezeption erfolgt nicht sowohl auf dem Wege der Aufmerksamkeit als auf dem der Gewohnheit. Der Architektur gegenüber bestimmt diese letztere weitgehend sogar die optische Rezeption. Auch sie findet von Hause aus viel weniger in einem gespannten Aufmerken als in einem beiläufigen Bemerken statt. Diese an der Architektur gebildete Rezeption hat aber unter gewissen Umständen kanonischen Wert. Denn: Die Aufgaben, welche in geschichtlichen Wendezeiten dem menschlichen Wahrnehmungsapparat gestellt werden, sind auf dem Wege der bloßen Optik, also der Kontemplation, gar nicht zu lösen. Sie werden allmählich nach Anleitung der taktilen Rezeption, durch Gewöhnung, bewältigt.

(Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
– Drei Studien zur Kunstsoziologie,
Frankfurt am Main 1977, S. 41)

Der Architekt der Linienstrasse 40, Roger Bundschuh, schrieb mir: “… Mir gefällt das Grau der Fassade ausnehmend gut, wenn ich irgendwelche Kritik hätte dann höchstens die, dass die Oberfläche zu glatt und nicht rough genug geworden ist.(…) Aber ich bin wirklich sehr zufrieden, ich kann mich auch beim allerbesten Willen nicht erinnern etwas gegenteiliges (noch dazu einem mir völlig Unbekannten!) gegenüber geäussert zu haben … ”

2010-04-20

… will nicht Dein Freund sein …

… merkt SP38 an

SP38
Auguststraße 57

Inzwischen haben die Kunstbanausen vom Stromkonzern Vattenfall mal wieder alle Plakate an der Fassade des Umspannwerkes Auguststraße 56-57 entfernen lassen:

auguststrasse 57

unlimited
Kleine Auguststrasse

2010-04-01

Kunsttransporte

Auguststrasse 68

Das Grundstück Auguststraße 68 war schon seit Jahren ein Ort der KUNST: hier im Sommer 2007.

Zur Zeit werden wohl die ersten Kunstwerke an das “me Collectors Room Berlin” geliefert.

me Collectors Room Berlin

me Collectors Room Berlin

siehe auch: Das DEMOKRATISCHE NICHTS

2010-03-07

Urbanes Stricken, me-berlin und SP-38

streetstrickart1.jpg

Urban Knitting

Urban Knitting

Wunderkammer

SP-38

2010-02-21

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